Untersuchungen der Baukosten des Regionalstadtbahn-Innenstadttunnels

In den über 35 Jahren dauernden Diskussionen wurden naturgemäß auch immer unterschiedliche Investitions­kos­­ten genannt. Das lag nicht daran, dass jemand falsch gerechnet hat, sondern, weil dem jeweiligen Dis­kus­si­ons­stand auch immer unterschiedliche Planungsstände zugrunde lagen. So wurde, meist aus taktischen poli­ti­schen Gründen, lediglich die Verlängerung der Lokalbahn bis zum Mirabellplatz untersucht, was logischerweise zu anderen Zahlen führen muss, als wenn das Projekt gleich aus einem Guss durch die Stadt gebaut würde.

Jeder sog. „Häuslbauer“ weiß, wer billig zu bauen versucht, zahlt letztendlich mehr, anstatt mit einem professio­nel­len Gesamtprojekt gleich von Anfang an. Genau das trifft auch auf das Projekt Regionalstadtbahn mit In­nen­stadttunnel zu.

Politisches Taktieren der Verantwortlichen

Sehr schnell haben die damaligen Stadtwerke-Direktoren und einige „autoaffine“ Politiker erkannt, dass man Beschäftigungstherapie mit Personen betreiben kann, die sich engagiert für das Projekt Regionalstadtbahn-In­nen­stadttunnel einsetzen. Die „Aktionsgemeinschaft Rote Elektrische“ ist leider diesem Ansinnen damals auf den Leim gegangen und hat die Aktion „Nächster Halt Mirabell“ mit einer Pickerlaktion gestartet. Man glaubte der Idee des damaligen Stadtwerke-Direktors gefolgt zu sein. Dieser erklärte dann allerdings provokant, man solle es gleich ganz bauen, weil sonst die Sache keinen Sinn mache, was leider auch stimmt. Nachdem dann das Projekt an sich, mit einigen parallel laufenden Killerprojekten, versenkt wurde, dauerte es einige Zeit, bis wieder Seriosität einkehrte.

Über 70 Kilogramm Gutachten untersuchten jeden Aspekt

Auch mit Gutachten, Studien, Prognosen und Ähnlichem kann man Beschäftigungstherapie und das Totlaufen eines Projektes betreiben. Trotzdem hat das Produzieren von Gutachten etwas Positives. Wenn professionelle Verkehrsplaner und Tiefbauexperten sich der Sache annehmen, macht das ganze Sinn. So ziehen sich die fachkompetenten Gutachten von den ersten Vorstudien namhafter Tunnelbauer über die „PGS-Studie 1992“, das „Leistungsbild Stadtregionalbahn 2008“ und die „ERB-Machbarkeitsstudie 2015“ wie ein roter Faden durch. Wenn man die jeweils, nach dem Diskussionsstand, vergleichbar gemachten Studien gegenüberstellt, sieht man eine Kostenentwicklung die in einer Tabelle leichter erklärbar ist:

5_2_1_Kostenaufstellung_Regionalbahn_Konzepte

Kostenaufstellung Regionalbahn Konzepte

In allen diesen Gutachten (siehe 5.3.2 Investitionskosten) fällt der extrem hohe Anteil an Risikozuschlägen auf. Spektakulär ist dabei im „Leistungsbild Stadtregionalbahn 2008“ die sogenannte „Kampfmittelerhebung“, in der eine Detonation einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg mit 60 Millionen Euro bewertet wurde, die vermutlich/hoffentlich nie eintritt. In der „Arbeitsgruppe Stadtbahn Dr. Schaffer“ wurde das Projekt aus der PGS-Studie über die Hellbrunnerbrücke bis Hallein erweitert und in der ERB-Machbarkeitsstudie 2015 weitergerechnet. Damit werden naturgemäß die Investitionskosten angehoben.

Nach der ERB-Machbarkeitsstudie 2015 beauftragte das Land Salzburg die KPMG eine Evaluierung des Regionalstadtbahn-Projektes durchgehend bis Hallein zu einem Gesamtprojekt, in der Höhe von 870 Millionen Euro, zu erstellen. In dieser Berechnung sind, neben Grundstücksablösen und einem großen Risikozuschlag auch die, für den Beginn benötigten, notwendigen Fahrzeuge inkludiert. Die waren bisher nicht mit eingerechnet.

Das Abwürgen der Diskussion 2016-2017

Weil das Projekt Regionalstadtbahn mit Innenstadttunnel unausweichlich erschien, beauftragte 2016 der Bürgermeister der Stadt einen sogenannten „Stadtbahnbeauftragten“, der wunschgemäß das Projekt mit überzogenen und damit völlig unrichtigen Zahlen madig machen sollte. Man glaubt damit, das Projekt abwürgen zu können. Die Zahlen des „Stadtbahnbeauftragten“ werden im Kapitel „Baukosten“ widerlegt.

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