Magistrale für Europa 2 Streckenbeschreibung München-Salzburg-Attnang

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Hochgeschwindigkeitsstrecken, bzw. Hochleistungsstrecken, haben in Europa die Entfernungen subjektiv schrumpfen lassen. In Österreich heißt das, auf der Westbahn Salzburg – Wien „HL-Strecke“ (Hochleistungsstrecke). In Bayern nennt man den HL-Ausbau zwischen München und Freilassing ABS 38 (Ausbaustrecke). Beide sind Teil der „Magistrale für Europa“ Paris – Budapest. Beide sind Strecken, die in der Magistrale beim Ausbau Schlusslichter sind. Von Paris bis Strasbourg fahren die TGV-Züge (Train à Grande Vitesse) bereits heute 300 km/h. Von Strasbourg bzw. Kehl fahren die deutschen ICE bis Stuttgart ebenfalls bereits heute 250 km/h. Zwischen Augsburg und München wird seit der IVA 1965, damals Ellok 03, mit 200 km/h gefahren. Dasselbe gilt für Österreich, für die Strecken Attnang-Puchheim – Linz und Linz – Wien, die jeweils für 200 km/h zugelassen sind.

Europas „Langsamfahrstelle“ München – Salzburg – Attnang-Puchheim

Der Südosten Bayerns ist aus Berliner Sichtweise, dem Sitz der deutschen Bundesregierung und damit des Verkehrsministers, so etwas, wie das „verkehrspolitische Bermudadreieck Deutschlands“. Mit der Entfernung schwindet offensichtlich das Interesse am Ausbau des Schienenverkehrs im Südosten von Deutschland. Mit über 700 Kilometer nach Berlin tendiert das Interesse augenscheinlich Richtung „Null“. Der zweigleisige elektrifizierte Ausbau der Strecke München – Mühldorf/Inn – Freilassing – Salzburg für den Hochleistungs-Fernverkehr ist seit 1935, seit 83 Jahren (unglaublich: dreiundachtzig Jahre) in Dauerplanung. Der frühere Sprecher des Verkehrsforums Berchtesgadener Land Michael Behringer (+2017) hat 2005 die Frage gestellt „ABS 38 die älteste Planruine Deutschlands?“

Betrachtet man die langjährigen Versprechungen muss sich diese Frage aufdrängen. Pläne werden erstellt und verschwinden auch wieder unauffindbar. An den Staatsvertrag 1999 zwischen dem deutschen Verkehrsminister Münteferring und dem österreichischen Amtskollegen Einem über den „Donaukorridor“ kann und will sich heute niemand mehr erinnern. Da drängt sich der Vergleich zum Bermudadreieck einfach auf.

Für den Güterverkehr ins bayerische Chemiedreieck im Raum Burghausen wird zumindest die Strecke München – Mühldorf/Inn bis Tüßling ausgebaut. Von Tüßling bis Freilassing findet man heute noch veraltete Flügelsignale mit Spannwerken, wie in der Dampflokzeit vor 100 Jahren! Moderner Schienenverkehr sieht anders aus.

Zwischen Salzburg und Attnang-Puchheim rollt zwar der stärkste „Fernverkehr““ in Österreich, aber der HL-Ausbau läßt auch hier immer noch auf sich warten.

Ausspielen Nahverkehr gegen Fernverkehr

HL Strecke Sbg-Koestendorf ZEITPLAN

HL Strecke Sbg-Koestendorf ZEITPLAN

Sowohl auf der bayerischen ABS 38, als auch auf der österreichischen HL-Strecke wird als Stillstandsargument der SPNV genannt. Zumindest das sogenannte „Dritte Gleis“ Salzburg – Freilassing wurde unter dem Titel „Nahverkehr“ gebaut, obwohl es vorrangig der Streckenkapazität für den Fernverkehr dient. Das Positive dabei ist die Verbesserung des innerstädtischen SPNV in der Stadt Salzburg im Raum Mülln – Lehen – Maxglan – Taxham und Liefering bzw. zur Durchbindung der Züge aus dem Mattigtal und von Mühldorf/Inn.

Auf beiden Strecken ABS 38 und HL-Strecke ist es notwendig, diese auch für die Bedürfnisse der anrainenden Bevölkerung im Nahverkehr auszubauen. Dabei geht es natürlich um den kompromißlos durchgehenden zweigleisigen Ausbau der ABS 38, als auch um neue Haltestellen bei den Siedlungsschwerpunkten entlang der Bahn. Beides muss möglich sein, sowohl Nah-, als auch Fernverkehr, die aufeinander abgestimmt werden müssen.

Der Bevölkerung wird immer Hoffnung gemacht, aber die Realisierung läßt auf sich warten

magistrale für europaBeide Streckenausbauten werden seit Jahrzehnten der Bevölkerung versprochen, aber es ist keine Realisierung in Sicht. Während halb Europa Schienenverkehre aus- und neu gebaut, herrscht in und um Salzburg Stillstand, als gäbe es noch immer eine strenge Staatsgrenze zwischen Deutschland und Österreich. Es müßte doch in der heutigen Zeit, auch in dieser Region, möglich sein, modernen Schienenverkehr zu realisieren.

Offensichtlich ist man auch in der Europäischen Union davon überzeugt, dass das Deutschland und Österreich nicht auf die Reihe kriegen. Nur so ist es zu erklären, dass man einen nördlichen Umgehungskorridor plant, der den südbayerischen Raum und das Bundesland Salzburg großräumig umgeht. Man denkt seit einiger Zeit über einen „Rhein-Donau-Korridor““ nach, der bereits von Karlsruhe über Frankfurt, Würzburg, Nürnberg, Regensburg, Passau und Linz nach Wien führen soll. Damit wird Süddeutschland, inklusive dem gesamten Großraum München, sowie der Tourismus- und Wirtschaftsraum Salzburg großräumig umgangen und abgehängt. Mit dem Zögern für eine, im europäischen Blickwinkel, relativ kurze Bahnstrecke München – Mühldorf/Inn – Salzburg – Attnang – Linz, die ABS 38 und die HL-Strecke, nimmt man in Kauf, dass ein wichtiger Teil Europas von der Zukunft der Schiene abgehängt wird.

Landrat vom Berchtesgadener Land erklärt seine Strategie den Verkehrsinitiativen

In einem Brief im Mai 2018 von Landrat Georg Grabner an das Verkehrsforum Berchtesgadener Land, zur Weiterleitung an alle anderen Verkehrsinitiativen im Zentralraum Salzburg erläutert er die Stellungnahme des Landkreises Berchtesgadener Land, die auszugsweise hier weitergegeben wird:

„Zur ABS 38 hatte der Landkreis Berchtesgadener Land in seiner Stellungnahme zum Entwurf des Deutschen Bundesverkehrswegeplanes 2030 vom 29.04.20116 eine Resolution an das Deutsche Bundesverkehrsministerium übermittelt. Diese Resolution beinhaltete nicht nur eine durchgehende Elektrifizierung, sondern auch den durchgehend zweigleisigen Ausbau der ABS 38 zwischen München, Mühldorf und Freilassing. Die durchgehende Elektrifizierung der ABS 38 ist bereits im vordringlichen Bedarf – also mit der höchsten Priorität – im Bundesverkehrswegeplan 2030 verankert. Dagegen hat ein nur abschnittsweiser zweigleisiger Ausbau zwischen Tüßling und Freilassing im Bundesverkehrswegeplan lediglich die Einstufung des potentiellen Bedarfs erhalten, mit der Option des Aufstiegs in den vordringlichen bzw. weiteren Bedarf.

Für die ABS 38 wurde in allen Planungsabschnitten bereits die Vorplanung abgeschlossen, wie der Internetseite www.abs38.de aktuell zu entnehmen ist. Beim Planungsabschnitt Tüßling-Freilassing sind die Gutachter des Bundesverkehrsministeriums noch in der Bewertungsphase, ob die Zweigleisigkeit dieses Abschnitts ggf. in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes mit aufgenommen werden könnte.

Die Elektrifizierung der ABS 38 braucht somit nicht mehr beschlossen werden, da dieser Beschluss per Verankerung im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans bereits vorliegt. Diese Abarbeitung der einzelnen Planungsphasen für die ABS 38, also Grundlagenermittlung, Vorplanung (Projekt- und Planungsvorbereitung), Entwurfsplanung (System- und Integrationsplanung), Genehmigungsplanung und Ausführungsplanung, wird realistisch betrachtet leider noch deutlich länger als bis Ende 2019 dauern.“

Weiters erklärt Landrat Grabner auch, dass an der bereits beschlossenen Elektrifizierung der Bahnstrecke München – Mühldorf/Inn – Freilassing kein Weg mehr vorbeiführt. Diesen Ausführungen des Landkreises Berchtesgadener Land schließen sich die Verkehrsinitiativen im Salzburger Zentralraum vollinhaltlich an. Zu hoffen ist nun auch, dass die Länder Salzburg und Oberösterreich sich beim Bund in Wien für den Ausbau der HL-Strecke Salzburg – Attnang-Puchheim einsetzen.

ABS38 Streckenkarte

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