Magistrale für Europa 1 – Fernverkehr, Nahverkehr oder was dazwischen?

magistrale für europa

Im Eisenbahnverkehr gibt es die Unterscheidung Nahverkehr und Fernverkehr. Nahverkehr wird definiert mit ca. 70 Kilometer im Umkreis zu einem Oberzentrum. Fernverkehr, der als eigenwirtschaftlicher Verkehr verstanden wird, ist alles über 70 Kilometer hinaus. Während diese Zeilen geschrieben werden, sitzt der Autor im Railjet auf dem Weg von Salzburg zum Arbeitsplatz in Linz.

ice

Diese Strecke hat 127 Kilometer. Ist das Fernverkehr, ist das Nahverkehr oder ein Pendlerverkehr irgendwo dazwischen? Karl-Dieter Bodak von der DB-AG hat vor vielen Jahren die eleganten und komfortablen Züge für die deutschen Inter-Regio geschaffen. Mit der flächendeckenden Einführung der ICE-Züge in Deutschland, wobei „flächendeckend“ relativ ist, wurde die Zuggattung IR (InterRegio) wieder abgeschafft. Das war sicher ein Fehler!

RailJet, der neue InterRegio?

„Nächster Halt Neumarkt-Köstendorf“ hört man bereits kurz nach der Abfahrt des RailJet aus Salzburg Richtung Wien. Das sind gerade einmal 24 Kilometer und das hat eindeutig nichts mit „Fernverkehr“ zu tun.  Das wäre eine Distanz, die sogar für den InterRegio zu kurz wäre. Der RailJet als Nachfolger der früheren InterCity-Züge ICVC hält auf der 313 bzw. 330 Kilometer langen Strecke Salzburg – Wien in Neumarkt-Köstendorf, Vöcklabruck, Attnang-Puchheim, Wels, Linz, St.Valentin, Amstetten, St. Pölten, Tullnerfeld, Wien-Meidling, Wien Hbf. und Wien Flughafen. 12 Halte auf ca. 330 Kilometern bedeutet alle 27 Kilometer einen RailJet-Halt. Das hat definitiv nichts mit „Fernverkehr“ zu tun; das liegt näher beim „Nahverkehr“ als beim InterRegio! Offensichtlich gibt es da ein Bedarf zwischen Nah- und Fernverkehr!

„Regio-Verkehr“ zwischen Nah- und Fernverkehr?

Slowakei Breitspurlokomotiven Kosice

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Für die Bundesländer finanzieren und organisieren den „Nahverkehr“ als sogenannte „“gemeinwirtschaftliche Leistungen“ für die Mobilität der Pendler. Grundsätzlich gibt es eine Wechselwirkung zwischen Fernverkehr und Nahverkehr. Eigentlich müsste man dazwischen einen sogenannten „“Regio-Verkehr“ definieren, der die mittelgroßen Städte, abseits der Landeshauptstädte, verbindet, also “Inter Regio“, die ihrerseits die Verkehrsdrehscheiben als Nahverkehrsknoten für den regionalen Bahn- und Busverkehr darstellen. Gemeint sind die Städte ab 10.000 Einwohnern entlang der Eisenbahn-Hauptstrecken.

Internationale Eisenbahn-Magistralen verbinden Europa

Der eigentliche „Fernverkehr“ bezieht sich auf die europäischen Magistralen, weit über hunderte Kilometer hinaus. Die Diskussion über die Verlängerung der interkontinentalen Breitspur-Gütereisenbahn China – Russland – Ukraine von Kaschau (Košice-Haniska) bis nach Parndorf im Burgenland zeigt die europäischen Distanzen klar auf. Vom Groß-Güterbahnhof Košice-Haniska bis nach Parndorf sind rund 400 Kilometer, was, in etwa, der Strecke Wien bis Wörgl entspricht. Im TEN-V, dem transeuropäischen Eisenbahn-Netz, ist die Magistral 17, die „Magistrale für Europa“ Paris – Strasbourg – Stuttgart - München – Salzburg – Linz – Wien – Bratislava bzw. Budapest eine klar priorisierte Zukunftsvision.

Die Regional-Stadtbahn erweitert den Einzugsbereich zur „Magistrale für Europa“

In dieser Magistrale sind die großen Städte, mit ihren umfangreichen Nahverkehrsnetzen, der Garant für eine europaweite Mobilität der Bürger ohne Auto. Das vielzitierte Beispiel vom Baum, der von den Ästen lebt, kann kaum eindrucksvoller dar­ge­­stellt werden, als am Beispiel internationaler Eisenbahn-Fernverkehr und Schienen-Personen-Nahverkehr (SPNV). Die Initiative "Magistrale für Europa" hat den Einzugsbereich der Re­gio­nen der Fernverkehrsbahnhöfe entlang der „Magistrale für Europa“ Paris – München – Salzburg – Wien – Budapest erhoben und damit ein Fahrgastpotential in den Einzugsbereichen zu den Bahnhöfen in zeitlichen Sektoren halbe, volle, zwei Stunden eruiert. Diese vom Schweizer Institut SMA+ Partner AG erstellte Studie basiert natürlich auf dem Status bestehender Systeme.

Wenn sich nun die leistungsfähigen Schienenäste in der Region in Bereiche vorwagen, die es den Ein­wohnern und Tourismusgästen ermöglicht, wesentlich schneller die Stadt Salzburg und den Magistralebahnhof Salzburg Hbf. zu erreichen, erweitert sich das mögliche Potential an Fernverkehrsfahrgästen mit der Bahn gewaltig, wird der Flughafen mit angebunden, natürlich auch das Potential für den internationalen Flugverkehr. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, die Anbindungen der Flughäfen Salzburg, München und Linz als Teil des Gesamtkonzeptes „Magistrale für Europa“ zu betrachten.

Als Conclusio ist demnach die Erkenntnis zu definieren, dass mit der Regional-Stadtbahn die Erreichbarkeit der internationalen Destinationen ab Salzburg, sei es Hochleistungs-Eisenbahn-Fernverkehr im Rahmen der TEN, oder über Salzburg Airport WAM, über einen Quantensprung an Qualität und Quantität erweitert werden wird.

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