Flügelkonzept – Trennen und Vereinigen

„Flügeln“ hat nichts mit Flugzeugen zu tun, sondern darunter versteht man, dass sich Züge von zwei unterschiedlichen Strecken, an einem Bahnhof treffen, gekuppelt werden und dann gemeinsam weiter zu fahren. Oftmals trennen sich die beiden Züge an einem weiteren Bahnhof wieder. Das nennt man auch „Trennen und Vereinigen“. Am Salzburger Hauptbahnhof wird das mehrmals täglich praktiziert, wenn die Railjet-Züge von Innsbruck und München sich treffen und zusammengekuppelt werden. In Wien Hauptbahnhof werden sich wieder getrennt und fahren, jeweils selbständig, zum Wiener Flughafen bzw. nach Budapest weiter.

Bayerische Oberlandbahn – 60.000 Kuppelvorgänge jährlich

Im SPNV hat die BOB Bayerische Oberlandbahn im Süden Münchens, dieses Flügelkonzept zum System gemacht und kuppelt die Nahverkehrstriebwagen „Integral“ jährlich ca. 60.000 Male in den Bahnhöfen Holzkirchen und Schaftlach. Dieses oftmalige Kuppeln und Entkuppeln, also das „Trennen & Vereinigen“, wird erst mit automatischen Mittelpufferkupplungen Bauart „Scharfenberg““ möglich. Diese Kupplungsart ist nach dem Techniker Karl Scharfenberg aus Königsberg benannt, der bereits 1903 dafür ein Patent erhielt. Diese „Schaku“, kuppeln nicht nur die Wagen, sondern auch die Bremsdruckleitungen und über die sogenannte „FABEG“ auch die elektrischen Versorgungs- und Steuerleitungen. Somit ist es möglich, dass diese Kuppel- bzw. Entkupplungsvorgänge nur wenige Sekunden dauern, ohne dass jemand zwischen die Fahrzeuge ins Gleis klettern muss. Das Gesamtziel des jeweiligen Triebwagens erkennt der Fahrgast in der Zielanzeige über der jeweiligen Einstiegstüre.

Das „Flügeln“ erschließt gleichzeitig zwei Strecken

Dieses Flügeln von Zügen von mehreren Strecken ermöglicht es auch den Fahrgästen, ohne langes Warten an den Umsteigebahnhöfen, innerhalb des Zuges, über den Bahnsteig, auf einen vorderen oder hinteren Zugteil umzusteigen. Im Idealfall kann der Fahrgast, wenn er bereits im richtigen Zugteil sitzt, umsteigefrei vom Beginn der Fahrt, bis zum Ziel in der Landeshauptstadt Salzburg, auf seinem Sitzplatz, die Reise genießen.

4_2_8_Prinzip_Fluegelkonzept

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Das Flügelkonzept im Regionalstadtbahn-Netz

Die klassische „TV-Linie“, die Linie mit „Trennen & Vereinigen“ im Regionalstadtbahn-Netz ist die S2 von Attnang nach und durch Salzburg und weiter bis Traunstein bzw. Ruhpolding und Traunreut. Im Liniennummern-Schema hat die Stammlinie, in der die Züge miteinander fahren, das Liniensignal „S2“. Die Flügelstrecken haben zusätzlich laufende Nummern, hinter der Stammnummer „S2“, also „S21, S22“ etc. fortlaufend.

Eine Fahrt mit der „S2“ zur Erklärung

Um den ersten Treffpunkt „Steindorf“ zu erreichen, fahren die Regionalstadtbahn-Züge ab Attnang und Ranshofen zeitversetzt ab. Ein Dreiwagenzug fährt von „Ranshofen AMAG-Haupttor“ aus der Bahnhofs-Wagen-Halle ab und wird bereits im Bahnhof Braunau/Inn getrennt. Ein Triebwagen fährt nach Mühldorf/Inn, der andere Zweiwagenzug nach „Steindorf/Straßwalchen“. Letzterer trifft dort den Zugteil von Attnang/Puchheim, ebenfalls ein Zweiwagenzug. Aufgrund der bestehenden Bahnsteiglängen auf der Westbahn-Strecke sind dort diese Zuglängen möglich. Die vierteilige Triebwagengarnitur fährt bis „Hallwang-Elixhausen“ und wird dort wieder in zwei Zweiwagenzüge getrennt. Einer davon fährt durch den Salzburger Innenstadttunnel nach Anif und Hallein. Der andere fährt bis Traunstein und wird dort jeweils Richtung Traunreut und Ruhpolding getrennt. In der Gegenrichtung geht das Prozedere in umgekehrter Reihenfolge.

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