Die Palette, bestehende Systeme in Salzburg

Der Vorteil aller bestehenden ÖPNV-Systeme in Salzburg ist, dass grundsätzlich nichts Neues (z.B. Magnet-, Gondel- und Straßenbahnen) „erfunden“ werden muss. Somit kann man sich technische Spielereien und unausgereifte isolierte Neuerfindungen ersparen. Der Vorteil der bestehenden Systeme ist, dass sie aus der Region kommend die Fahrgäste umsteigefrei in und durch die Stadt befördern können.

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OEPNV Systeme

1. Schienenbahnen (siehe Chronologie der Schienenbahnen)

  • Die bestehenden Strecken der Staatseisenbahnen, ÖBB und DB-AG, werden mit 15 kV 16²/³ Hz Wechselstrom betrieben. Sie fahren teilweise S-Bahnen (S3), s-bahnähnlichen Verkehr mit Triebwagen und REX-Verkehre mit Lok und Klassen (Loks mit Waggons). Einige Zulaufstrecken werden derzeit noch mit Dieselzügen betrieben und warten längst auf die Elektrifizierung. In Bayern wird der Personenverkehr auf den drei Zulaufstrecken von je einer Privatbahn betrieben. Von Mühldorf kommend fährt die Südostbayernbahn der DB-Regio mit Dieseltriebwagen. Der Personennahverkehr auf der Strecke München - Salzburg wird von Meridian betrieben. Die Berchtesgadenerlandbahn wird in einer Betriebsgemeinschaft von Regentalbahn und Salzburger Lokalbahn geführt.
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Salzburger Lokalbahn

  •  Die Salzburger Lokalbahn ist eine klassische Stadtbahn, eine Überlandstraßenbahn im Personenverkehr und eine vollwertige Eisenbahn im Güterverkehr. Sie ist die betriebliche Basis eines Regionalstadtbahn-Netzes und somit Vorbild für die Adaptierung aller anderen Strecken.
  • Der Salzburger Obus fährt zwar auf der Straße, gilt aber rechtlich als Schienenbahn, wobei sozusagen die „Schienen am Himmel“ sind und damit ist dieses spurgeführte System eher mit einer Straßenbahn vergleichbar, als mit einem Bus. Das fällt ganz besonders bei der Technik der Fahrzeuge auf.

2. Bussysteme

  • Die Domäne der Diesel- und Gasbusse liegt im Stadtumlandbereich bzw. im Regionalverkehr. In der Region ist, historisch gewachsen, die Kernkompetenz der ÖBB-Postbus GmbH. zu sehen. In den Jahren von Autoeuphorie und Bahneinstellungen wurden Parallelverkehre zu den Bahnlinien eingeführt, die heute meist die Kapazitätsgrenze erreicht haben.
  • Citybusse und Quartierbusse sind langsam fahrende Kleinbusse in der Altstadt und in engen Straßen von verkehrsberuhigten Zonen. Ein Zubringer mit einem selbstfahrenden Elektrobus in Koppl [Foto] wird zeigen, ob dieses System zukunftsfähig ist. 

3. Elektromobilität in Salzburg – Kernkompetenz der Schienenbahnen

  • Auffällig ist in Salzburg, dass die Elektromobilität bei den meisten Systemen tagtägliche Realität und der weitere Ausbau die Zukunft ist. Die „Rote Elektrische“, die Salzburger Lokalbahn, betrieb „Elektromobilität“ bereits von über 100 Jahren, also Jahrzehnte bevor das Wort überhaupt erst erfunden wurde. Heute ist die Kernkompetenz bei den Salzburger Lokalbahnen und beim Salzburger Obus, auch bei diesem bereits seit über 75 Jahren. Die Kernkompetenz der „Elektromobilität“ ist also bei den Schienenbahnen angesiedelt. Obwohl beim Automobil der Elektroantrieb auch schon über 120 Jahre bekannt ist, wurde diese zukunftsorientierte Technologie erst vor wenigen Jahren erkannt. Einer seiner ersten Patente 1896 vom legendären Autokonstrukteur Ferdinand Porsche war die Erfindung des elektrischen Radnabenmotors, nicht für Autos, sondern für den Obus, besser bekannt als „Trolleybus“! Offensichtlich sah damals der junge Ingenieur Porsche die Priorität beim öffentlichen Verkehr, bei der Antriebstechnologie beim Trolleybus.
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Systemvergleich SPNV

  • Als elektrische Energie noch völlig unbekannt war, als es für die Beleuchtung in Haushalten ausschließlich Kerzen und Kienspäne gab und auf den Straßen Gaslichtlaternen Realität waren, wurde in Salzburg eine echte Sensation Realität, der sogenannte „Elektrische Aufzug“ außen auf den Mönchsberg. Heute ist der Mönchsberglift von außen nicht mehr erkennbar, ist aber der „Nachfahre“ des „Elektrischen Aufzuges“. Angesichts der Tradition der „Elektromobilität“ ist es direkt verwunderlich, dass die Festungsbahn erst 1960 vom Betrieb mit Wasser und Schwerkraft auf elektrischen Antrieb umgestellt wurde.
  • Die Automobilindustrie hat offensichtlich über 120 Jahre gebraucht, um festzustellen, dass die „Elektromobilität“ wesentlich effizienter ist, als die Verbrennung von Erdöl. Die Vereinnahmung des Begriffes „Elektromobilität“ für das System Auto ist eine ziemlich kühne Behauptung. Das Problem des „Systems Pkw“ ist das massenhafte Auftreten dieser Fahrzeuge und damit das Phänomen „STAU“, das in Salzburg bereits eine unerträgliche Beeinträchtigung für die Bevölkerung bedeutet. Beim „System Pkw“ ist es übrigens völlig unerheblich, ob die Autos mit Verbrennungsmotoren oder mit elektrischen Antrieben im STAU stehen. Der Straßenverkehr an sich ist mittlerweile weit weg von der „Mobilität“.

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