Der Salzburger Obus, seiner Zeit voraus

Als 1886 die „Salzburger Localbahn“ den Betrieb aufnahm, machte man sich auch Gedanken, die Altstadt direkt mit öf­fentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Das ist bis heute ein schier unmögliches Unterfangen geblieben. Anfangs ver­suchte man das mit einer Pferdestraßenbahn, die nie so recht in die Gänge kam.

Mit der „Roten Elektrischen“ wurde auch eine elektrische Straßenbahn, die „Gelbe Elektrische“ durch die Altstadt, über den „Ludwig-Viktor-Platz“, dem heutigen „Alten Markt“ gebaut. Sie wurde „Salzburger Stadtbahn“ genannt und hat­te überhaupt nichts mit dem zu tun, was man heute unter „Stadtbahn“ versteht. Sie wurde vom Volksmund „Ra­sen­de Eierspeis" genannt, war laut, kreischte um die Kurven, rumpelte, war langsam, konnte nur wenig Fahrgäste mit­nehmen und war nicht erweiterungsfähig. Sie fuhr auch nur bis zur Stadtgrenze in der Riedenburg, weil Maxglan noch eine eigene selbständige Gemeinde war.

Die „gleislosen Bahnen“, der „Trolleybus“ oder „Obus“

Als 1896, also vor über 120 Jahren, ein junger Ingenieur, namens Ferdinand Porsche, den elektrischen Radnabenmotor pa­tentieren ließ, startete die Erfolgsgeschichte der „gleislosen Bahnen“, die von Werner von Siemens erfunden wur­den, auch „Trolleybus“ oder Oberleitungs-Omnibus, kurz „Obus“ genannt. Die früheren staubigen und holprigen Stra­ßen und die damals üblichen Hartgummireifen ließen jeden Komfort vermissen, ein Schicksal, das die Trolleybusse mit den Bussen mit Verbrennungsmotoren teilten.

Erst als die Straßen befestigt und die Obusse Luftreifen erhielten, kehrte eine neue Ära der Elektromobilität in der Stadt Salzburg ein. Otto Holzbauer, der erste Salzburger Verkehrsbetriebedirektor, entwickelte für Salzburg ein ganzes Obus-Netz und löstet damit die „Gelbe Elektrische“ 1940 ab. Auch in der autoverrückten Zeit der Eisenbahn-Zer­stö­run­gen in den 1950er-Jahren wurde der Obus ausgebaut, wobei lange Zeit der Obusdirektor Ing. Hans Teufl den Salz­bur­ger Obus modernisierte und mit den Linien 6 und 7, vorher Dieselbuslinien P und E, sogar ausbaute.

Das modernste Obus-Netz weltweit

Heute kann das Salzburger Obusnetz als das modernste der Welt bezeichnet werden, obwohl es wesentlich größere, wie in Moskau, gibt. Obusfahrzeuge, die wesentlich mehr mit Straßenbahnen verwandt sind, als mit Verbrennungs­bus­­sen, bringen es auf eine wesentlich längere Lebensdauer, als die Busse mit Verbrennungsmotoren. So fahren heute noch Salzburger Obusse, z.B. in Temesvár in Rumänien (Troleibuz Timișoara), die vor über 40 Jahren für Salzburg ange­schafft werden. Heute werden Fahrzeuge nach maximal 20 Jahren ausgemustert, obwohl sie noch völlig intakt sind. Der Grund liegt vorrangig darin, dass sie im Design nicht mehr modern genug sind. Elektromotoren von Obussen halten ewig. So gab es, in der Zeit vor der Elektronik, Motoren, die über 30 und mehr Jahre in mehreren Fahrzeugen zum Ein­satz kamen. Obusse gelten in Österreich rechtlich als Eisenbahnen.

Obusse müssen nicht ihre Antriebsenergie am Fahrzeug mitschleppen

Moderne Obusse haben Klimaanlagen und Hilfsantriebe für fahrleitungslose Streckenabschnitte und diese mittlerweile auch elektrisch. Obusse, wie auch elektrische Schienenbahnen, haben einen gewaltigen Vorteil, den andere Straßen­fahr­zeuge bis heute und vermutlich auch in naher Zukunft nicht in den Griff bekommen werden. Sie müssen die zum Fah­ren und für Klimaanlagen benötigte Antriebsenergie nicht platzverschwendend im Fahrzeug mitschleppen und sie müs­sen auch nicht zeitintensiv nachgeladen werden. Die Fahrzeuge stehen, ggf. rund um die Uhr rein für den fahrplan­mä­­ßigen Betrieb zur Verfügung, weil sie „zum Tanken“ keine Zeit verschwenden müssen.

Rasches und leises Anfahren, auch in der Steigung sind typische Merkmale eines modernen Obusses. Der Obus hat längst alle Eigenschaften, die an ein Fahrzeug der Zukunft gestellt werden. Der Salzburger Obus ist daher, gegenüber Ver­brennungsfahrzeugen und den Akku- bzw. Batterieexperimenten, unerreicht seit Jahrzehnten der Zeit voraus. So­lan­ge es zum Obus, mit Ausnahme der elektrischen Schienenbahnen, keine Alternativen im Straßenverkehr gibt, muss der Obus als umweltfreundliches und zukunftsorientiertes Stadtverkehrsmittel flächendeckend ausgebaut werden.

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