130 Jahre Nahverkehr die Salzburger Lokalbahnen

Als am 10.8.1886 der erste Dampftramway-Zug vom Salzburger Hauptbahnhof in die Stadt fuhr, begann das, was man heute „Nahverkehr“ bezeichnet. Zwischen Platzl „Innerer Stein“ und dem „Äußeren Stein“ wur­de, entlang der Salzach, ein eigener Bahndamm für die „Salzburger Localbahn“ gebaut, der wenig später auch für Fuhrwerke genutzt werden konnte, und heute „Imbergstraße“ heißt. Diese Dampftramway wurde in Etappen über Nonntal, Kleingmain, Morzg, Hellbrunn, Anif und Grödig bis zum „Gasthof Drachenloch“ in St. Leonhard, unterhalb des Untersberges, gebaut und in Betrieb genommen.

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RE-in-Morzg-Zeichnung

Mit der Eröffnung der Gaisberg-Zahnradbahn 1887 gab es ein starkes Verkehrsbedürfnis zwischen der Stadt und der Tal­station in Parsch. So wurde ein Streckenast der Dampftramway vom Äußeren Stein nach Parsch, zur Tauernbahn und zur Zahnradbahn gebaut. Während der Eröffnung der Tauernbahn 1909 größte Beach­tung geschenkt wurde, fiel die Einführung der Elektromobilität mit der „Roten Elektrischen“ nur wenigen Men­schen auf. Zu Zeiten, als elektri­scher Strom bei Straßenbeleuchtung und gar in Haushalten noch nicht vor­stellbar waren, erregten die neuen elek­tri­schen Triebwagen im Straßenraum der Stadt letztendlich der­art viel Aufsehen, dass der Volksmund die Bahn bald „Rote Elektrische“ taufte.

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RE-in-Nonntal-1953

Die Salzburger Eisenbahn- und Tramway-Gesellschaft SETG, wie die Salzburger Lokalbahn damals offiziell hieß, hat zusammen mit den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen (K.Bay.Sts.B.) etwas schier Un­glaub­li­ches geschafft, was bis heute nicht mehr wieder möglich wurde. Sie realisierten eine grenzüberschreitende Bahn zwischen Salzburg und Bayern bis zum Königssee, mit einheitlichen Fahrzeugen (Rote Elektrische, Grü­ne Elektrische), einheitlichem Tarif und einheitlichem durchgehenden Betrieb von Salzburg, Grödig, Schel­len­berg und Berchtesgaden bis zum Königssee.

Die Nordlinie, die „Oberndorferbahn“, ab 1896

Zehn Jahre nach der Südlinie der Lokalbahn ging 1896 die „Oberndorferbahn“, die Nordlinie, als Dampfei­sen­­bahn zwi­schen Salzburg, Bergheim, Anthering, Oberndorf und Bürmoos nach Lamprechtshausen in Be­trieb. Erst kurz vor der Zerstörung der Lokalbahn-Südlinien 1953 wurde die Nordlinie elektrifiziert. Erst da­mals kam die SAKOG-Kohlen­schlepp­bahn Bürmoos-Trimmelkam dazu, die lange Jahre von Stern & Hafferl Gmun­den betrieben und 1993, auf Betrei­ben der „Aktionsgemeinschaft Rote Elektrische“ an die Salz­bur­ger Lokalbahn übergeben wurde.

1981 Rettung der Salzburger Lokalbahn durch engagierte Bürger

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Inserat Rettet die Rote Elektrische

Der damalige Bürgermeister der Stadt Salzburg, im Brotberuf Straßenbauer, wollte, wie 1953 die Südlinien der Roten Elek­trischen und 1957 die Ischlerbahn durch Landeshauptmann Klaus, auch die Nordlinie der Salzburger Lokalbahn los­werden. Sie sollte dem „großen Bruder ÖBB“ übergeben werden, genau zu jenem Zeitpunkt, als die ÖBB die Regio­nal­bahnen als “Nebenbahnen“ diskreditierte und zerstört hat (1980 Steyrtalbahn).

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Flugblatt_Rettet_die_RE

Die „Aktionsgemeinschaft rettet die Rote Elektrische“ hat 1981 in einer spontanen Unterschriftenaktion knapp 15.000 Unterschriften in einer Region mit etwas mehr als 30.000 Einwohnern gesammelt. Damit wur­de die Zerstörung der Bahn verhindert. Aus der „Aktionsgemeinschaft rettet die Rote Elektrische“ wurde 1984 „Aktionsgemeinschaft Rote Elektrische“, später „Verein S-Bahn Salzburg“, heute „Die Rote Elektrische“.

Die Neuzeit als moderne Regional-Stadtbahn

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Briefmarke_100J_SLB

Sofort nach Bekanntgabe der Rettung der Lokalbahn kamen die ersten Stadtbahn-Gelenktriebwagen der Rei­he 40. Das war dann, für die Bevölkerung, das erste sichtbare Zeichen der Modernisierung der Salzburger Lo­kal­bahn. Die völlige Modernisierung der Strecke mit dem Neubau aller Brücken erlebte die Bevölkerung mit Streckenunterbrechungen und Schienenersatzverkehren mit Bussen. Gedankt wurde das von der Be­völ­kerung mit steigenden Fahrgastzahlen.

Markantestes Ereignis und von der gesamten Bevölkerung vielbeachtet verfolgt, war von 1992 bis 1996 der Bau des unterirdischen Lokalbahnhofes, der am 19. September 1996 zum Jubiläum „110 Jahre Salzburger Lo­kalbahnen“, in Betrieb ging. Es war der erste entscheidende Schritt zum Weiterbau für die unterirdische Ver­längerung als Re­gio­nal­stadt­bahn. Obwohl bereits bei der Eröffnung des unterirdischen Lokalbahnhofes der Weiterbau des Tunnels unter der Salz­burger Innenstadt im Raum stand, eigentlich „vor der Tür stand", war­tet die Bahn seit damals noch immer auf die Rea­lisierung der Lokalbahn-Verlängerung als Teil des Re­gio­nalstadtbahn-Netzes im Zentralraum Salzburg.

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